Pilotprojekt: Ortsgemeinde Föhren gründet Dorfentwicklungsgesellschaft

„Es war ein steiniger Weg für den Landkreis, den wir aber mitgegangen sind.  Es gab in unserem Team Bremser und Befürworter. Die progressiven Kräfte haben sich durchgesetzt“, so beschreibt Alois Zehren, Ortsbürgermeister aus Freudenburg und Leiter der Kommunalaufsicht im Kreis Trier-Saarburg, die Gründung der Dorfentwicklungsgesellschaft in Föhren. Die Vertragsunterzeichnung zwischen der Ortsgemeinde Föhren, der Volksbank Trier Beteiligungsgesellschaft mbH und die Neuland-aufbauen GmbH fand am 9. August 2022 statt, die erste Bürgerversammlung ist nach den Sommerferien am 8. September im Bürger- und Vereinshaus in Föhren geplant. In einer öffentlich-privaten Partnerschaft (PPP) sollen die städtebaulichen Ziele für den Ort Föhren umgesetzt werden.  

„Zu Gunsten einer nachhaltigen Dorfentwicklung haben alle Beteiligten den Mut gehabt, neue Wege zu gehen“, beschreibt Melanie Baumeister, Geschäftsführerin der Neuland-aufbauen GmbH, zusammenfassend die Neugründung der Dorfentwicklungsgesellschaft (DEG) in Föhren. Im Fokus steht dabei die zukunftssichere Entwicklung des Dorfzentrums, wozu auch das Klosterareal gehört. Neben einer attraktiven Baugestaltung soll eine interessante Nutzungsmischung aus Wohnen, Arbeiten, Versorgung und Kultur gesichert und weiterentwickelt werden. 

Ein rund zweijähriger Findungsprozess unter intensiver Zusammenarbeit mit beratenden Rechtsanwälten mündete nun in der Unterzeichnung der Verträge zur Gründung einer Dorfentwicklungsgesellschaft. Ortsbürgermeisterin Rosi Radant sagt dazu: „Wir haben eine Lösung gesucht, die eine Umsetzung der städtebaulichen Ziele unseres Dorfes kompetent und nachhaltig ermöglicht. Die Antwort darauf ist das PPP-Modell, welches gemeinsam mit dem Know-How unserer Partner diese Aufgaben erfüllen wird.“ 

Die Dorfentwicklungsgesellschaft versteht sich als Managementzelle, die Ansprechpartner für Bürger und Betreiber vor Ort ist. Sie wird künftig die Geschäftsführung der Projektgesellschaften übernehmen, die jeweils als GmbH & Co.KG gegründet werden. „Zu deren Aufgabenbereichen zählen die Durchführung von Bauprojekten, die Bewirtschaftung von Immobilien bis hin zum Quartiersmanagement unter Berücksichtigung der maßgeblichen städtebaulichen Ziele der Ortsgemeinde Föhren“, führt Johannes Kemmer, Geschäftsführer der Volksbank Beteiligungsgesellschaft mbH, aus. Die erste noch zu gründende Projektgesellschaft wird für die Umsetzung des Klosterareals zuständig sein. Für das gut 1 ha große Gelände ist ein erstes Investitionsvolumen in Höhe von 25 Mio. Euro vorgesehen. 

Novum geschaffen

Die Ortsgemeinde Föhren hat mit der Gründung einer Dorfentwicklungsgesellschaft für den ländlichen Raum ein Novum geschaffen. Da es sich hierbei um ein Modellprojekt für den ländlichen Raum handelt, ist das Interesse auf kommunaler Ebene bereits jetzt sehr groß. Der Gesetzgeber spricht bislang lediglich von Stadtentwicklungsgesellschaften – jetzt gibt es in Föhren analog dazu eine Dorfentwicklungsgesellschaft. 

Die Gestaltung neuer Wege war notwendig geworden, da mit dem Anspruch einer nachhaltigen Dorfentwicklung gleichzeitig der Komplexitätsgrad stark anstieg. 

Die in Föhren seit Jahrzehnten herrschenden städtebaulichen Missstände – insbesondere in der Dorfmitte und am Areal um das ehemalige Klostergelände, konnten und können trotz intensiver Bemühungen der Gemeinde und der Verwaltung nicht allein mit den klassischen Verfahren gelöst werden. Dies soll nun in Form einer Public-Private-Partnership (PPP) möglich sein, was sich im städtischen Raum längst bewährt hat, im ländlichen Raum jedoch noch kaum verbreitet ist. Öffentlich-private Partnerschaften (PPP) sind Kooperationen von öffentlicher Hand und privater Wirtschaft, z.B. beim Entwerfen, Planen und Erstellen, Finanzieren, Managen, Betreiben und Verwerten von Immobilien.

Durch den Schulterschluss aus öffentlicher Hand und privater Wirtschaft können Dörfer über die Bauleitplanung hinaus sowohl Einfluss auf die Umsetzung der städtebaulichen Ziele nehmen als auch von der Wertschöpfungskette mit profitieren. Melanie Baumeister sagt dazu: „Neuland beteiligt sich an dem Modell, weil wir Nachhaltigkeit und damit verbunden werthaltige Adressen sehen, und die Ziele, die wir mit dem Gemeinderat erarbeitet haben, ernsthaft umsetzen können.“ Der Vorteil des neuen Konstrukts einer Dorfentwicklungsgesellschaft ist es, dass sowohl die Ortsgemeinde als auch die Bürger langfristig von der Wertschöpfung der erfolgversprechenden Konstellation profitieren können. Hierzu meint Johannes Kemmer, Geschäftsführer der Volksbank Trier Beteiligungsgesellschaft mbH: „Um das alles erreichen zu können, ist ein Kompetenzmosaik aus immobilienwirtschaftlichem Know-How und Projektmanagement erforderlich. Die Gemeinde profitiert langfristig vom wirtschaftlichen Erfolg und wir haben schnelle Entscheidungsprozesse.“ Ortsbürgermeisterin Rosi Radant ist überzeugt: „Um unser Dorf zukunftssicher zu machen, ist das neu etablierte Modell mit einer Dorfentwicklungsgesellschaft der richtige Ansatz. Gemeinsam sind wir besser!“ 

Der Landkreis Trier-Saarburg habe großes Interesse an der künftigen Entwicklung des neuen Modells, denn „wir haben in vielen Kommunen ähnliche Probleme“, sagt Alois Zehren. Sie alle hätten die Chance gesehen und begleiteten das Projekt daher positiv. „Die nächsten Gemeinden stehen bereits in den Startlöchern, den ersten Schritt hat die Gemeinde Föhren getan.“ Das in Föhren geschaffene Modellprojekt für den ländlichen Raum könne auf andere Dörfer übertragen werden, wie es bereits derzeit in der Ortsgemeinde Tawern erfolgt. Dadurch spart sie rund zwei Jahre Entwicklungsarbeit, die in Föhren angefallen ist. Die Verantwortlichen versprechen sich von dem neuen Modell schnelle und kompetente Entscheidungswege. „Wer Qualität haben will, braucht Kompetenzen“, findet Ortsbürgermeisterin Rosi Radant. 

Christiane Horsch, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Schweich sagt dazu: „PPP -Projekte sind nicht neu und können für viele Gemeinden eine echte Win-Win-Situation bedeuten. Die Gemeinde Föhren ist hier Pilot für den ländlichen Raum. Mit den Bürgern und Bürgerinnen wird diese Partnerschaft mit Leben erfüllt und vertrauensvoll wird die Entwicklung der Ortsgemeinde Föhren dynamisch vorangebracht. Wir wünschen viel Erfolg!“  

Landrat Stefan Metzdorf begrüßt die Gründung der Dorfentwicklungsgesellschaft Föhren ausdrücklich. „Die Ortsgemeinde Föhren betritt damit im wahrsten Sinne des Wortes „Neuland“. Als Landkreis beobachten wir die nächsten Schritte mit großem Interesse. Es ist eine Möglichkeit, bei der unsere Ortsgemeinden mit dem „Know-How“ der privaten Partner, hier der Volksbank Trier und dem Planungsbüro Neuland, eine Entwicklung anstoßen können, um die Dörfer auch zukünftig „lebenswert“ zu erhalten und zu gestalten.“ 

Er wünscht der Gesellschaft und damit der Ortsgemeinde Föhren, dass aus dem Modellprojekt ein Erfolgsmodell wird, das auf andere Gemeinden im Landkreis übertragen werden kann. 

Der Startschuss für die Umsetzung der städtebaulichen Ziele in Föhren soll Anfang nächsten Jahres fallen. 

Zahlen, Daten, Fakten

  • Name und Anschrift der Gesellschaft: 
    Dorfentwicklungsgesellschaft Föhren mbH 
    Hauptstraße 1 
    54343 Föhren 
  • Gesellschafter: 
    Ortsgemeinde Föhren 50% 
    Volksbank Trier Beteiligungsgesellschaft mbH 25% 
    Neuland-aufbauen GmbH 25% 
  • Geschäftsführung der neuen Dorfentwicklungsgesellschaft: 
    Johannes Kemmer 
    Melanie Baumeister 
  • geplantes 1. Projekt: 
    Klosterareal Föhren. 1 ha 
    Insgesamt ca. 9.400 m² Nutzfläche 
    geplante Investitionen 25 Mio. 

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Neuland GmbH

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